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Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES)

IPBES

In Panama traf sich die UN-Staatengemeinschaft, um mit IPBES (Intergovernmental Science Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) das Pendant zum Weltklimarat in Naturschutzfragen ins Leben zu rufen. Eine wichtige Entscheidung ist nun gefallen: der Sitz des künftigen Sekretariats wird in Bonn sein. Erst im vierten Wahldurchgang setzte sich Deutschland mit 47 zu 43 Stimmen gegen Korea durch. Zuvor hatten die Vertreter der UN-Mitgliedsstaaten sich gegen die Mitbewerber Indien, Frankreich und Kenia entschieden. Die Koordination der künftigen internationalen Austauschprozesse zwischen Wissenschaft und Politik im Rahmen von IPBES wird also in Bonn stattfinden.

Deutschland hält mit seinen zahlreichen Forschungseinrichtungen ein großes Potenzial an fachspezifischer Expertise bereit, auf welche in den kommenden Jahren eine besondere Herausforderung mit IPBES zukommt.

Pressestimmen:

Bonn verwaltet die globale Artenvielfalt (FAZ) 

Neues Sekretariat der Vereinten Nationen (IPBES) geht nach Bonn (BMU)

NeFo Blog zur IPBES Sitzung in Panama

Die Hauptaufgabe von IPBES wird sein, durch das Zusammentragen wissenschaftlicher Erkenntnisse (sog. Assessments) Handlungsoptionen zu gesellschaftlich relevanten Fragen aufzuzeigen, die Politiker helfen können, ihre Entscheidungen zu treffen. Die Fragen werden von der Staatengemeinschaft an IPBES gestellt. Der Erfolg von IPBES und sein Einfluss auf politische Gestaltung wird von verschiedenen Faktoren abhängen: von der Auswahl der relevanten Themen (z.B. solche mit kontrovers diskutierten Inhalten), von der Genauigkeit der Assessements, von der Bereitschaft der einzelnen Staaten, ihre Wissenschaftler bei der Durchführung der Assessments zu unterstützen (diese Arbeit ist zeit- und kostenintensiv und bedarf sicher gesonderter Fördermittel), vom Mut des Plenums, den Ergebnissen der Assessments auch dann Gehör zu verschaffen, wenn sie der Politik einzelner Staaten zuwiderlaufen und letztlich der Bereitschaft der Staaten, ihre jeweilige Politik an wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten.

Das Projekt Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo) rief am 7. und 8. Juli 2011 in Bonn Forschungsverbünde, Politik und Nichtregierungsorganisationen zusammen, um im Auftrag des Bundesforschungsministeriums sowie des Bundesumweltministeriums Vorstellungen zu einer Beteiligung deutscher Expertinnen und Experten zu diskutieren. Wesentliche Aspekte sehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihrem Abschlussdokument darin, dass die Funktion von IPBES beschreibend aber nichtvorschreibend sein solle, also Szenarien zu Handlungen und Folgen aufgezeigt, jedoch keine Bewertung vorgenommen werden solle. Das vorhandene Wissen aus den verschiedenen Forschungsdisziplinen müsse zudem besser vernetzt und weiter gefördert werden, dürfe sich jedoch nicht nur auf Forschungsergebnisse beschränken. Vielmehr müsste auch Wissen aus der Anwendung sowie indigenes und traditionelles Wissen einbezogen und Akteure in Entwicklungsländern in ihrer Beteiligung unterstützt werden. Die Ergebnisse und die Dokumentation des Workshops sind online verfügbar.

 

Der lange Weg zu IPBES....

So sperrig die Abkürzung IPBES ist, so lang ist auch die Geschichte der Entstehung dieses globalen Gremiums: bis nämlich aus dem Gedanken, eine internationale Schnittstelle zwischen der weltweiten Biodiversitätsforschung und der für die Umsetzung zuständigen Politik zu schaffen, Realität wurde, ist ein Zeitraum von 10 Jahren vergangen.

2007 entwarf das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) einen Vorschlag zur Bildung eines "Weltbiodiversitätsrats" nach Vorbild des Weltklimarats (IPCC), die sog. Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES). Dabei kamen die beiden letzten Buchstaben E und S für Ecosystem Services erst gegen Ende der Ausarbeitung hinzu, als sich in den globalen Umweltabkommen die Idee durchsetzte, dass Ökosysteme Dienstleistungen für das Wohlbefinden der Menschen erbringen, die zum einen nicht unerschöpflich sind und zum anderen einen Wert darstellen, der sich auch ökonomisch fassen lässt.
Die neunte Vertragsstaatenkonferenz der CBD (COP 9) im Mai 2008 begrüßte offiziell den Vorschlag von UNEP und die Anstrengungen zu einem ersten weltweiten Treffen zur Beratung eines IPBES.

Eine Lückenanalyse stellte fest, dass es zwar weltweit viele verschiedene Schnittstellen zwischen biodiversitätsbezogener Wissenschaft und Politik gibt, diese aber in unterschiedlichen räumlichen Skalen agieren (mal national, mal regional), nicht regelmäßig arbeiten und oft auf Einzelprojekten beruhen und außerdem zum größten Teil nicht dauerhaft finanziert sind. Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass keiner der existierenden Mechanismen den globalen Anforderungen eines IPBES genügt und empfiehlt deshalb die Gründung eines neuen globalen Instruments.

Die UN-Vollversammlung hat im Dezember 2010 beschlossen, IPBES als unabhängige zwischenstaatliche Einrichtung formal zu gründen. IPBES kann dabei von einer oder mehreren bestehenden UN-Organisationen verwaltet werden. Der UNEP Governing Council hat im Februar 2011 UNEP beauftragt, noch im gleichen Jahr zu einer ersten Plenumssitzung einzuladen, an der alle UN-Mitgliedsstaaten und Organisationen der Zivilgesellschaft teilnehmen dürfen.

Autor: Dr. Axel Paulsch

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