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Projekt ProBenefit

Prozessorientierte Entwicklung eines Modells zum gerechten Vorteilsausgleich (benefit-sharing) für die Nutzung biologischer Ressourcen im Amazonastiefland Ecuadors




Kontext

Die auf dem Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992 verabschiedete Konvention über die Biologische Vielfalt (CBD) hat den Zugang zu biologischen Ressourcen neu geregelt. Die Konvention wurde von nahezu allen UNO-Mitgliedsstaaten unterzeichnet, darunter auch Ecuador und Deutschland. Mit der Förderung von ProBenefit leistet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Beitrag zur Umsetzung dieser internationalen Vereinbarung. Ziel von ProBenefit ist es, im Einklang mit den Prinzipien der CBD ein geeignetes Verfahren für einen gerechten Vorteilsausgleich für die Nutzung biologischer Ressourcen und des damit verbundenen traditionellen Wissens zu entwickeln. Dazu werden die Projektpartner gemeinsam mit der ecuadorianischen Regierung, den lokalen Indianerorganisationen und anderen relevanten gesellschaftlichen Gruppen sowie mit interessierten Nicht-regierungsorganisationen (NGOs) neue Modelle für eine nachhaltige Nutzung von Biodiversität im ecuadorianischen Amazonastiefland erforschen. Das Projekt beabsichtigt außerdem, anhand eines konkreten Beispiels Leitlinien für kooperative Modellprojekte zu entwickeln. Diese Leitlinien sollen die Verständigung zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen verbessern und alle Akteure einbeziehen, die sich mit der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt befassen.



Motivation des Projekts

Die Konvention über die biologische Vielfalt bekräftigt die souveränen Rechte der Staaten über ihre biologischen Ressourcen und hat damit einen Beitrag zu deren Schutz und nachhaltiger Nutzung geleistet. Diese internationale Vereinbarung bedarf jedoch noch der Konkretisierung durch die nationale und regionale Rechtsetzung. Der Andenpakt hat mit seiner Entscheidung 391 einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan. Um Verfahren zu entwickeln, mit denen ein gerechter Vorteilsausgleich für den Zugang zu biologischen Ressourcen in der Amazonasregion Ecuadors erreicht werden kann, streben die Projektpartner eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Gastland, den lokalen Gemeinschaften, dem Pharmaunternehmen und den verschiedenen am Projekt ProBenefit beteiligten Disziplinen an. Es soll eine transparente, integrative und interdisziplinäre Arbeitsweise verfolgt werden. Diese interdisziplinäre und integrative Vorgehensweise ist neuartig auf diesem Gebiet der deutschen Forschungsförderung. Frühere Projekte haben sich nur mit Teilaspekten des Themenkomplexes Access und Benefit-Sharing befasst, wie z.B. der Erforschung der Biosphäre oder juristischen und technischen Fragestellungen. ProBenefit will eine bessere Integration der Disziplinen erreichen und dazu die Arbeitsweisen und Untersuchungsmethoden der beteiligten Akteure eng miteinander verzahnen.


Ziele des Projektes

Das grundlegende Ziel von ProBenefit ist die Entwicklung eines Prozesses, der es ermöglicht (1) eine modellhafte Vereinbarung über einen gerechten Vorteilsausgleich für die Nutzung der natürlichen Ressourcen im Amazonasgebiet Ecuadors abzuschließen, (2) das Potenzial für eine Nutzung von Heilpflanzen zu erkunden und (3) Möglichkeiten für eine nachhaltige Nutzung dieser Pflanzen zu entwickeln. Dabei wird ausdrücklich hervorgehoben, dass alle botanischen oder pharmazeutischen Untersuchungen sich dem übergeordneten Ziel unterordnen, zunächst die Grundlagen für eine transparente und partizipative Vereinbarung über die Nutzung der biologischen Ressourcen zu schaffen. Zusätzlich werden systematisch die verschiedenen Interessen und Arbeitsweisen aller Beteiligten untersucht, um daraus die nötigen Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren für künftige Vorhaben dieser Art ableiten zu können.


Die deutschen Projektteilnehmer und ihre Aufgaben

Institut für Biodiversität - Netzwerk e.V. (ibn)

  • Moderation eines partizipativen Prozesses für eine gerechte und transparente Vereinbarung über die Nutzung von biologischen Ressourcen und traditionellem Wissen,
  • Ethnologische Begleitung der botanischen Untersuchungen und
  • Klassifikation von Vegetationsstrukturen in der 2. Projektphase.

Institut für Völkerrecht, Abt. für Internationales Wirtschaftsrecht, Georg-August-
Universität Göttingen

  • Untersuchung der nationalen und internationalen juristischen Grundlagen,
  • Juristischer Beitrag zur Entwicklung eines Kooperationsmodells, das die Belange nationaler und internationaler Rechtsvorschriften und spezieller juristischer Aspekte berücksichtigt, die sich aus der Nutzung der Biodiversität ergeben,
  • Ableitung verallgemeinerbarer Regeln und Übertragung auf die Entwicklung eines institutionellen Rahmens, der sich künftig für ähnliche Projekte nutzen lässt.

VDI Technologiezentrum GmbH, Zukünftige Technologien Consulting

  • Interne Koordination und Dokumentation des Projekts,
  • Initialisierung des interdisziplinären Prozesses,
  • Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland,
  • Unterstützung des Projektbeirats (Organisation der Beiratstreffen etc.).

Abt. für Ökologie und Ökosystemforschung, Georg-August-Universität Göttingen

  • Klassifikation und Dokumentation der für eine pharmakologische Nutzung interessanten Arten,
  • Analyse der ökologischen Bedingungen für Anzucht und Anbau dieser Arten.

Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co KG, Abt. Naturstoffe

  • Verhandlungspartner bei einer möglichen Vereinbarung über die Nutzung biologischer Ressourcen und traditionellen Wissens,
  • Analyse von Pflanzenproben zur Erzeugung von Extrakten mit pharmakologischer oder nahrungsergänzender Wirkung in der 2. Projektphase,
  • Technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit (z. B. Auswahl und Finanzierung eines ecuadorianischen Doktoranden).


Arbeitsphasen

Das Projekt hat eine geplante Laufzeit von etwa 5 Jahren und ist in zwei aufeinanderfolgende Projektphasen geteilt:

  • 1. Phase: Abschluss einer modellhaften Vereinbarung über den Zugang zu natürlichen Ressourcen in einem Teil des ecuadorianischen Amazonasgebiets mit allen Akteuren, die im Sinne der CBD relevante Interessen vertreten.
  • 2. Phase: Ethnobotanische und pharmakologische Untersuchungen für die mögliche Produktion eines Pflanzenextraktes mit dokumentierter Heilwirkung.
    ProBenefit hat im Juni 2003 begonnen. Für eine Überprüfung der Projektziele sind Evaluationsschritte und Meilensteine vorgesehen.


Finanzierung

Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Programmes "Biosphärenforschung - integrative und anwendungs-orientierte Modellprojekte" - BioTeam. Das Forschungsprogramm BioTeam hat zum Ziel, interdisziplinäre Forschungsansätze anhand konkreter Fallbeispiele (Modellprojekte) aus den Themenbereichen Biosphäre, Biodiversität und Biotop- und Artenschutz zu entwickeln und deren Umsetzung und Verwendbarkeit im Sinne konkreter, lösungsorientierter Beiträge zu demonstrieren. Die Ergebnisse der Fallstudien sollen Entscheidungsträgern Beratungshilfen bzw. den betroffenen Akteuren Handlungsempfehlungen an die Hand geben und möglichst generalisierbare Schlussfolgerungen ermöglichen, die zur Weiterentwicklung von Verfahren der Entscheidungsfindung und Beratung dienen.


Links

Universität Göttingen, Institut für Völkerrecht
www.gwdg.de/~ujvr/

Universität Göttingen; Albrecht-v.-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften
www.gwdg.de/~botanik/avhi.htm

Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel GmbH & Co. KG:
www.schwabe.de/de/index_news.html

BMBF
www.bmbf.de

Bekanntmachung des BMBF zu ?Bioteam?
www.dlr.de/PT/Umwelt/F70000/F73000/Bek-Biodiv.htm

deutscher Text der Konvention:
www.admin.ch/ch/d/sr/i4/0.451.43.de.pdf

Bioteam
www.dlr.de/PT/Umwelt/F70000/F73000/Bek-Biodiv.htm

allgemeine Informationen über Ecuador
http://www.embajada-quito.de/de/informationen/leben_arbeiten/

ABS Informations Plattform - Deutschland

Probenefit - Projekthomepage www.probenefit.de


Literatur

HANDBOOK OF THE CONVENTION ON BIOLOGICAL DIVERSITY vom Sekretariat to the Convention on Biological Diversity, Sekretariat der CBD.

HENNE, G (1998): Genetische Vielfalt als Ressource - Die Regelung ihrer Nutzung. Nomos-Verlangsgesellschaft, Baden-Baden.

WILSON, E. O. (Hrsg.)(1988): Ende der biologischen Vielfalt? - Der Verlust an Arten, Genen und Lebensräumen und die Changen für eine Umkehr. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg (ISBN 3-89330-661-7).


Kontakt

Weitere Informationen zum Projekt ?Pro Benefit? erhalten Sie bei:

Christiane Ploetz
Dr. Carsten Krück
Zukünftige Technologien Consulting der VDI Technologiezentrum GmbH
Graf-Recke-Str. 84
40239 Düsseldorf
Postfach 10 11 39
40002 Düsseldorf
Germany
Tel.: ++49 - (0)211 - 6214-503 oder -519
Fax: ++49 - (0)211 - 6214-139
e-mail:
ploetz@vdi.de
krueck@vdi.de
info@pro-benefit.de

www.probenefit.de

 



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