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UN-Naturschutzkonferenz 2008 in Deutschland

Vom 19. bis zum 30. Mai 2008 ist Deutschland in Bonn Gastgeber der 9. UN -Naturschutzkonferenz. Im ersten Moment mag der Name verwirren. Es handelt sich hier um die 9. Vertragsstaatenkonferenz (VSK 9) des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity - kurz: CBD). Die CBD ist eines von drei völkerrechtlichen Abkommen, die bei der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992 beschlossen wurden. Zur Zeit haben 190 Länder die CBD unterzeichnet. Alle zwei Jahre finden Vertragsstaatenkonferenzen statt, um die Konvention weiterzuentwickeln und der aktuellen Weltlage anzupassen. Dieses Jahr führt Deutschland den Vorsitz auf der 9. VSK der CBD. Thematisch im Zentrum wird insbesondere der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Wälder und der Meeresökosysteme stehen, sowie der Zugang zu genetischen Ressourcen.

An den VSKs nehmen neben Regierungsdelegationen aller Unterzeichnerstaaten stets die gesamte Bandbreite der Umwelt- und Entwicklungsorganisationen teil. An der achten Vertragsstaatenkonferenz 2006 in Curitiba (Brasilien) waren insgesamt 4000 Delegierte und Beobachter beteiligt. Für die kommende Konferenz in Deutschland wird mit rund 5000 teilnehmenden Personen gerechnet.

Hier finden Sie mehr über die Arbeit der ibn Experten zur Konvention über die biologische Vielfalt (CBD).

Mehr Informationen über „Biologische Vielfalt / Biodiversität“ und die Konvention finden sich online und kostenfrei in unserem Lexikon.

 

Kurzinformation zu den Ergebnissen der COP 9 in Bonn 2008



Access and Benefitsharing

Wichtigster Baustein einer Fortentwicklung der CBD ist zur Zeit das zu entwickelnde internationale Regime zum Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechtem Vorteilsausgleich (Access and Benefitsharing ABS). Dazu wurde eine informelle Gruppe eingesetzt, die nahezu ununterbrochen (auch am Wochenende) tagte. Als Ergebnis kam die sog. Bonn Roadmap zustande, die bis 2010 drei weitere Treffen der Arbeitsgruppe (ABS-WG) ansetzt (Italien 2009, Schweden 2009 und Kolumbien 2010). Zur jeweiligen Vorbereitung dieser Treffen wurde ein beratendes Expertengremium eingerichtet und mit konkretem Mandat und zu beantwortenden Fragen ausgestattet.



Waldökosysteme

Im Bezug auf Waldökosysteme wurde vor allem der Anbau sog. GMO-Trees, also genetisch veränderter Bäume, kontrovers diskutiert. Der von vielen Seiten geforderte Bann gegen solche Bäume kam nicht zustande, jedoch wurde beschlossen, dass das Vorsorge-Prinzip eingehalten werden sollte, d.h. die Nichtschädlichkeit solchen Anbaus müsste nachgewiesen werden, was faktisch kaum möglich ist und einem Moratorium nahe kommt. Es wird allerdings Freilandversuche zur Folgenabschätzung geben, die von den Kritikern als Einfalltor für spätere Kommerzialisierung angesehen werden.



Agrarökosystem und Agrartreibstoffe

Die Debatte zum Thema Agrarökosysteme wurde vom Thema Agrarkraftstoffe durchdrungen und dadurch sehr erschwert. Es bedurfte mehrerer in kleinstem Kreis stattfindender Treffen unter Leitung des schwedischen Umweltministers und des brasilianischen Botschafters, um einen Kompromisstext auszuarbeiten, der dann mit Vertretern einzelner Regionen und stark am Thema interessierten Staaten weiter ausgehandelt wurde. Es gelang erst am letzten Konferenztag, diesen Kompromiss zu beschließen und auch die ölproduzierenden Golfstaaten zur Zustimmung zu bewegen. Der Kompromiss fordert, dass sämtlicher Anbau von Energiepflanzen nachhaltig sein muss, dann aber der Anbau gefördert werden soll. Parallel sollen wissenschaftliche Untersuchungen die positiven und negativen Auswirkungen darlegen.
Die Sorgen um die Entwicklung der Nahrungsmittelproduktion insbesondere der afrikanischen Länder sind allerdings nicht ausgeräumt, obwohl die afrikanischen Vertreter dem Kompromiss zugestimmt haben.



Meeresschutzgebiete

In den Verhandlungen zur Ausweisung von Meeresschutzgebieten außerhalb nationaler Hoheitsgewässer wurde das Ziel bestätigt, bis 2012 ein Netz solcher Schutzgebiete zu schaffen. Zur Identifizierung wertvoller Gebiete für die Unterschutzstellung wurde ein wissenschaftlicher Kriterienkatalog angenommen.


COP Präsidentschaft

Turnusgemäß ging die Präsidentschaft der COP am ersten Verhandlungstag an den Umweltminister des Ausrichterlandes, also an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel über. Deutschland hat somit die Präsidentschaft bis zum Beginn der COP 10 im Oktober 2010 in Nagano/Japan inne.
Für die COP 11 im Jahr 2012 hat Ecuador die Ausrichtung angeboten. Die Annahme dieses Angebots kann formal erst bei COP 10 in Japan beschlossen werden.


Schutz von Tropenwäldern – Life Web - Initiative

Für den Schutz von tropischen Ökosystemen und Urwäldern kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel 500 Millionen Euro bis 2012 und ab 2013 den gleichen Betrag jährlich als deutschen Beitrag an.

 



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