Projekte  KonzepteBiodiv  OekoAnsatz
printable version
Profil
Projekte
Experten
Lexikon
Links


Kontakt
Impressum
Intern
Home



Ökosystemarer Ansatz

In den letzten Jahren hat sich zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass biologische Vielfalt in ihren verschiedenen Ausprägungen nur dann erfolgreich erhalten werden kann, wenn man sie in ihrem ökosystemaren Kontext begreift und die vielen Wechselwirkungen mit den in und von den Ökosystemen lebenden Menschen beachtet (vgl. z.B. BfN, 1997; WRI, 2000). Auf der V. Vertragsstaatenkonferenz der CBD wurden daher die Staaten und andere Organisationen dazu aufgerufen, den sog. "Ökosystemaren Ansatz" (ecosystem approach) bei der Umsetzung der Konvention zugrunde zu legen. Dieser Ansatz soll eine Strategie des integrierten Managements von Land, Wasser und lebenden Ressourcen beschreiben, welche den Schutz und die nachhaltige Nutzung in ausgewogener Weise fördern und der Umsetzung des Zieldreiklangs der Konvention dienen soll (vgl. Kasten). Der Ansatz erkennt zudem explizit an, dass Menschen mit ihrer kulturellen Vielfältigkeit ein integraler Bestandteil vieler Ökosysteme sind und Schutz und nachhaltige Nutzung nur mit den betroffenen Menschen umsetzbar sind. Damit wird der Realität Rechnung getragen, dass menschliches Handeln die biologische Vielfalt vieler Ökosysteme seit Jahrtausenden beeinflusst und geformt hat. Dies trifft im besonderen für die Kulturlandschaft Mitteleuropas zu.

Als Prinzipien nachhaltiger Nutzung biologischer Vielfalt, die diese Verknüpfung wiedergeben, sind dabei jene als Malawi-Prinzipien bezeichneten zwölf Grundsätzen (aufgrund der ersten Formulierung auf der Vertragsstaatenkonferenz 1998 in Malawi) und die fünf anwendungsbezogenen Leitlinien laut Beschluss V/6 der CBD zu verstehen.

Generell findet die Idee eines integrativen, ökosystemaren Ansatzes zum Schutz und zur Nutzung biologischer Ressourcen immer mehr Beachtung, auch wenn es momentan keine klare Definition des Begriffs, noch eine einheitliche Auffassung über seine Inhalte gibt (WBGU, 2000). Beispielhaft ist nachfolgend eine alternative Beschreibung des World Resources Institute widergegeben (WRI, 2000).


Beschreibung des Ökosystemansatzes nach Beschluss V/6 der Vertragsstaatenkonferenz der CBD (eigene Übersetzung).

  • 1. Der Ökosystemare Ansatz stellt eine Strategie für das integrierte Management von Land, Wasser und lebenden Ressourcen dar, der den Schutz und die nachhaltige Nutzung auf gerechte Art fördert. Damit trägt die Anwendung des Ökosystemansatzes dazu bei, ein Gleichgewicht zwischen den drei Zielsetzungen des Übereinkommens zu erreichen: Schutz, nachhaltige Nutzung sowie gerechte und ausgewogene Aufteilung der Gewinne, die aus der Nutzung der genetischen Ressourcen entstehen.
  • 2. Ein Ökosystemansatz basiert auf der Anwendung von angemessenen wissenschaftlichen Methoden, die sich auf Ebenen der biologischen Organisation konzentrieren, welche die grundlegende Struktur, Prozesse, Funktionen und Wechselwirkungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt umfassen. Dieser Ansatz erkennt an, dass Menschen mit ihrer kulturellen Vielfältigkeit ein integraler Bestandteil vieler Ökosysteme sind.
  • 3. Diese Konzentration auf Strukturen, Prozesse, Funktionen und Wechselwirkungen befindet sich in Übereinstimmung mit der Definition von "Ökosystem" in Artikel 2 des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt:
    "Im Sinne des Übereinkommens bedeutet "Ökosystem" einen dynamischen Komplex von Gemeinschaften aus Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen sowie deren nicht lebender Umwelt, die als funktionelle Einheit in Wechselwirkung stehen"
    Im Gegensatz zur Begriffsbestimmung von "Habitat" gemäß dem Übereinkommen bestimmt diese Definition keine räumliche Einheit oder Skala. Deshlab entspricht der Begriff "Ökosystem" nicht unbedingt den Begriffen "Biom" oder "ökologische Zone", sondern kann sich auf jedwede funktionelle Einheit auf einer beliebigen Skala beziehen. Der Analyse- und Handlungsmaßstab sollte in der Tat durch das jeweils zu behandelnde Problem bestimmt werden. Das könnte beispielsweise ein Krümel Boden, ein Teich, ein Wald, ein Biom oder die gesamte Biosphäre sein.
  • 4. Der Ökosystemare Ansatz erfordert ein adaptives Management, um mit dem komplexen und dynamischen Wesen der Ökosysteme und dem unvollständigen Wissen und den unvollkommenen Kenntnissen ihrer Funktionsweisen umzugehen. Ökosystemprozesse sind oftmals nicht linear und die Ergebnisse solcher Prozesse treten oft nur mit zeitlicher Verzögerung ein. Das führt zu Unregelmäßigkeiten, die in Überraschungen und Unsicherheit münden. Ein anpassungsfähiges Management ist gefordert, welches in der Lage ist, auf solche Unsicherheitsfaktoren eingehen zu können und welches Phasen beinhaltet, in denen man "aus Schaden klug wird" oder in denen man Rückmeldungen aus der Forschung abwarten muss. Es kann erforderlich werden, Maßnahmen selbst dann schon zu ergreifen, wenn die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt sind.
  • 5. Der Ökosystemansatz schließt andere Ansätze im Management und für den Schutz nicht aus, wie beispielsweise Biosphärenreservate, Schutzgebiete und Artenschutzprogramme für Einzelarten sowie auch andere Ansätze, die im Rahmen bestehender politischer und gesetzlicher Vorgaben durchgeführt werden. Er könnte sogar alle diese Ansätze und andere Methoden verbinden, um auf komplexe Situationen zu reagieren. Es gibt nicht nur den einen richtigen Weg zur Umsetzung des Ökosystemansatzes, da diese von lokalen, ortsübergreifenden, nationalen, regionalen oder auch globalen Bedingungen abhängt. In der Tat kann der Ökosystemare Ansatz auf vielfältige Weise genutzt werden, um einen Rahmen für die Umsetzung der in dem Übereinkommen festgeschriebenen Ziele in die Praxis zu schaffen.


Beschreibung des Ökosystemansatzes durch das World Resources Institute (WRI, 2000) (eigene Übersetzung).

Ein ökosystemarer Ansatz bewertet, inwieweit die menschlichen Nutzungen eines Ökosystems sein Funktionieren und seine Produktivität beeinflusst.

  • Ein ökosystemarer Ansatz ist ein übergreifender Ansatz. Momentan tendieren wir dazu, Ökosysteme in Hinblick auf ein dominantes Gut oder Leistung wie Fisch, Holz oder Wasserkraft zu bewirtschaften, ohne uns dabei den Handlungsalternativen (tradeoffs), wirklich bewusst zu sein. Dabei können wir wertvollere Güter und Leistungen als den momentan erhaltenen unter Umständen opfern - vor allem solche Güter und Leistungen, die noch nicht über Märkte bewertet werden wie beispielsweise Biodiversität oder Hochwasserregulierung. Ein Ökosystemansatz berücksichtigt das gesamte Spektrum an möglichen Gütern und Leistungen und versucht, für ein gegebenes Ökosystem die Mischung der Nutzen zu optimieren. Sein Ziel ist, Handlungsalternativen (tradeoffs) effizient, transparent und nachhaltig zu machen.
  • Ein ökosystemarer Ansatz gibt eine Neuorientierung der Grenzen, die traditionell unsere Bewirtschaftungsweisen von Ökosystemen definiert haben. Er betont einen systemischen Ansatz, in Anerkennung, dass Ökosysteme als einheitliche Entitäten funktionieren und dementsprechend nicht in Teilen sondern als Ganzes bewirtschaftet werden müssen. Er blickt über traditionelle Zuständigkeitsgrenzen hinweg, da Ökosysteme oft über kommunale und nationale Grenzen hinaus reichen.
  • Ein ökosystemarer Ansatz ist langfristig ausgerichtet. Er beachtet Ökosystemprozesse auf kleinstem Niveau, sieht sie aber im größeren Rahmen von Landschaften und Jahrzehnten eingebettet und agiert somit über eine Vielzahl von räumlichen und zeitlichen Dimensionen hinweg.
  • Ein ökosystemarer Ansatz bezieht die Menschen mit ein. Er integriert soziale und ökonomische mit umweltrelevanten Informationen über Ökosysteme. Er verknüpft damit explizit menschliche Bedürfnisse mit der biologischen Kapazität von Ökosystemen, diese Bedürfnisse zu befriedigen. Obwohl er Ökosystemprozesse und biologische Grenzwerte achtet, erkennt er einen angemessenen Raum für menschliche Modifikationen von Ökosystemen an.
  • Ein ökosystemarer Ansatz erhält das produktive Potential von Ökosystemen. Ein Ökosystemansatz ist nicht auf die Produktivität allein fokussiert. Er betrachtet die Bereitstellung von Gütern und Leistungen als natürliches Produkt eines intakten Ökosystems und nicht als Selbstzweck. Im Rahmen dieses Ansatzes ist eine Bewirtschaftung erst dann erfolgreich, wenn sie die Kapazität eines Ökosystems zur Produktion des gewünschten Nutzens erhält oder erhöht.

 



contact ibn
generated:
© 2001-2010 ibn - Institute for Biodiversity - Network
    Drei-Kronen-Gasse 2
    D-93047 Regensburg